Strahlfäule - ein Erfahrungsbericht

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Das Problem Strahlfäule ist in der Pferdewelt sehr verbreitet und entsprechend groß ist die Flut an Tipps und Tricks, wie man dieselbe in den Griff bekommt. Diese umfassen diverse Desinfektions- und Pflegemittel, Kräuterkuren und Futterzusätze. Auch mich und meine Pferde (vorrangig meine alte Stute) hat dieses Thema nicht verschont und daher möchte ich mal meine ganz persönlichen Erfahrungen mit der Bekämpfung von Strahlfäule für Euch zusammenfassen.

Alle im Folgenden angeführten Ansätze, erwähnten Mittel oder vermuteten Zusammenhänge, basieren lediglich auf meiner persönlichen Erfahrung und sollen keine konkrete Empfehlung für die Behandlung von Strahlfäule geben. Wie weiter unten erwähnt, bearbeite ich die Hufe meiner Pferde mittlerweile selbst. Ich habe in den letzten Jahren insgesamt 3 Kurse in Hufbearbeitung bei unterschiedlichen Hufpflegern besucht und mir sehr viel Wissen angeeignet. Im Zweifelsfall bitte unbedingt einen Professionisten hinzuziehen, denn man sollte schon wissen, was man da tut! Letztendlich ist jedes Pferd ein Individuum und die Ursachen sind durchaus unterschiedlich, daher muss man auch für jede Situation die passende Vorgehensweise finden.

Ein paar Hintergrundinfos

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Meine Stute Björk war, seit ich sie kenne (mittlerweile bereits über 10 Jahre), barhuf, bzw. für genau eine Beschlagsperiode am Anfang unserer gemeinsamen Zeit beschlagen. Wir haben einige Haltungsformen ausprobiert, wobei wir mit Box und Paddock begonnen haben. Ab dem ersten Umzug in meinem Besitz war es dann allerdings immer Offenstall oder Weidehaltung bzw. eine Kombination von beidem.
Obwohl sie immer sehr unproblematisch hinsichtlich der Hufe war und ich die vorsichtshalber angeschafften Hufschuhe irgendwann wieder wegen Nichtverwendung verkaufte, neigte sie, wenn ich mit dem mir mittlerweile angeeigneten Wissen zurückdenke, eigentlich immer schon zu Zwanghufen.

Angefangen hat das Problem mit Strahlfäule bereits vor einigen Jahren, als ich übersah, dass der damals tätige Hufschmied über die Zeit die Zwangsituation verschärft hatte. Als ich dann auch noch den Fehler machte, Björk für 1 1/2 Monate mit eigentlich schon eher überfälligen Hufen auf der Deckweide zu schicken, war die Strahlfäule nach der Rückkehr dann wirklich erstmalig zumindest an einem Vorderhuf ziemlich massiv. Nach der Umstellung der Bearbeitung auf einen anderene Hufpfleger hatte ich damals zuerst mal einen richtigen Schockmoment, denn ich war für eine kurze Zeit mit beginnendem "Strahlkrebs" konfrontiert. Die Situation besserte sich etwas und mit einer Kombination aus veränderter Hufbearbeitung und zwischenzeitlich Bearbeitung durch mich selbst hatte ich die Strahlfäule soweit im Griff. Zusätzlich fing ich damals an, mit einem Mittelchen unseres Hufschmieds zu behandeln (genaue Rezeptur weiß ich bis heute nicht, ich glaub, es war irgendwas mit Jodoformäther).

2012 bis 2015 war Björk gemeinsam mit ihrer Tochter auf der Aufzuchtweide und ich phasenweise in der Schweiz. Es war dort zwar für regelmäßige Hufbearbeitung gesorgt und bei den Besuchen war auch nie wirklich auffällig etwas im Argen, aber erneut bei der Umstellung der Bearbeitung (und Wiederaufnhahme unseres Trainings) nach dem Umzug in den nun aktuellen Stall trat das Problem Strahlfäule so richtig heftig und auch anfangs an allen 4 Hufen auf. Die beiden Hinterhufe hatten wir relativ schnell im Griff, aber bei den Vorderhufen war's wirklich eine langfristige Angelegenheit. Obowhl der Strahl auf beiden Vorderhufen phasenweise wirklich gruselig aussah, ging Björk in der ganzen Zeit nie fühlig oder gar lahm und ich habe mich zwischenzeitlich auch mit einer Tierärztin über das Vorgehen beraten.

Letztes Jahr war der Moment gekommen, da hatte ich mich eigentlich schon damit abgefunden, dass wir die Hufprobleme in diesem Leben nicht mehr loswerden würden. Besonders viel Hoffnung wurde mir auch von Seiten unseres Hufbearbeiters nicht gemacht. Björk war mittlerweile schon 23, die Strukturen schon langfristig ungünstig verändert und ich hatte bis dato gefühlt wirklich alles probiert. Allerdings hatte ich 2016/2017 phasenweise aufgrund meiner persönlichen Situation auch nicht unbedingt immer ausreichend Energie mich wirklich so um die Hufe zu kümmern, wie es notwendig gewesen wäre. Mit Unterstützung meiner Reitbeteiligung haben wir das Thema Strahlfäule bei Björk für den Moment aber nun tatsächlich ad acta gelegt.



Was letzendlich zum Erfolg führte

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In den letzten Monaten, wo sich die Situation wirklich kontinuierlich verbessert hat, habe ich folgende Maßnahmen gesetzt, bzw. folgende Beobachtungen gemacht.

  • Desinfektion mit Wasserstoffperoxid
    Dieses Desinfektionsmittel ist das einzige, das für mich in Frage kam. Wasserstoffperoxid kommt vielfältig zum Einsatz (z.B. auch als Mundspülung oder Desinfektion von Kontaktlisen) und die Reaktionsprodukte sind Wasser und Sauerstoff, wodurch es im Vergleich zu anderen empfohlenen Mitteln nicht umweltschädlich ist.
    Andere Mittel, die oft Chlor oder Jodoformäther enthalten, lehne ich persönlich ab, da ich sie gesundheitlich bedenklich halte und sie weder mit den Hufen in Kontakt bringen möchte, noch selbst damit hantieren (und somit dann die Dämpfe einatmen). Auch Kupfersulfatlösung ist z.B. wasserschädigend.

  • Stopfen mit Mullbinde getränkt mit einer Mischung aus Wasser, Trägeröl und wechselnde Zusammensetzung ätherischer Öle
    Die Meinungen hinsichtlich Stopfen oder nicht gehen auseinander. Ich habe es mit und ohne probiert, wobei gefühlsmäßig das Stopfen durchaus zur Verbesserung beitrug. Der Strahl war phasenweise sehr weit ausgehöhlt, da machte es für mich schon aufgrund dessen Sinn, dass sich weniger Dreck festsetzen konnte. Da Björk ja über die ganze Zeit draußen war, hielt der gestopfte Mull nur in der Phase wirklich länger, wo ich noch sehr tief stopfen musste. Allerdings konnten die ätherischen Öle auch später dann zumindest eine gewisse Zeit länger einwirken als bei einer Anwendung ohne Mull.

  • Hufbearbeitung
    Den Strahl habe ich je nach Bedarf nachgeschnitten um die Taschenbildung zu minimieren, Hufbearbeitung fand phasenweise im Abstand von nur 1 Woche, im Schnitt über mehrere Monate 14-tägig statt.
    Auch wenn an der Bearbeitung durch die beiden Hufbearbeiter, die ich in der Zeit bei meinen Pferden hatte, fachlich absolut nichts auszusezten war, wäre ein so kurzes Intervall ohne eigenes Eingreifen nicht möglich gewesen. Letztendlich habe ich die Bearbeitung dann komplett selbst übernommen. Ich zeige Euch in diesem Artikel Fotos von den Hufen meiner Stute, die die Veränderung zeigen, allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass immer noch reichlich Optimierungspotential besteht und es sich immer noch um Hufe im Veränderungsprozess handelt und das bei einer mittlerweile 24 jährigen Stute.

 

 

  • Fütterungsoptimierung
    Mein Hauptaugenmerk lag hier auf der Versorgung mit ausreichend qualitativ hochwertigem Einweiß (auch Horn besteht aus Proteinen), essentiellen Fettsäuren und Mineralstoffen. Da Zusatzfuttermittel immer auf die aktuelle Situation und die tatsächliche Fütterung abgestimmt werden sollten, und nicht einfach auf gut Glück Produkte gegeben werden sollten (auch ein zu viel ist nicht gut und viel hilft nicht immer viel...) möchte ich hier auch nicht näher ins Detail gehen, gebe aber gerne in einem Beratungsgespräch darüber Auskunft.

  • Die Sache mit dem Matsch
    Für mich hat sich in der ganzen Zeit gezeigt, dass am mühsamsten die Bedingungen sind, wo es mäßig feucht ist. Das führt dazu, das sich der Matsch so richtig fest in die Hufe packt und das Ganze so richtig luftdicht abschließt.
    Richtig nasses Wetter war der Situation sogar eher förderlich. Einerseits schwemmte das die Taschen so richtig schön aus, anderseits waren diese auch sehr gut zu erkennen und somit leichter zu korrigieren. Als richtig Schnee lag, war's auch recht entspannt. Die tiefen Temperaturen machten dann aber auch die Pflege reichlich mühsam bis unmöglich.
    Trockenes Wetter war aus meiner Sicht nur vordergründig hilfreich. Dadurch, dass sich der Strahl dann richtig zusammenzog, waren die sich trotzdem bildenden Taschen für mich nicht wirklich erkennbar und das böse Erwachen kam dann meist beim ersten Regen nach solchen Trockenphasen.
    Dass ich die Strahlfäule ausgerechnet im Laufe des hier im Süden wirklich matschigsten Winter seit langer Zeit in den Griff bekommen habe, zeigt für mich sehr deutlich, dass die Rahmenbedingungen eher eine untergeordnete Rolle spielen und ein gesunder bzw. gesundender Huf auch mit solchen Bedingungen gut zurecht kommt.

  • Gesamtkonstitution
    Ein Punkt, der für mich in der Verbesserung der Hufsituation eine durchaus auch wichtige Rolle spielt, ist der, dass sich durch die Haltung in einer nun bereits über einem Jahr stabilen Herde, das wieder regelmäßige Training und Entspannungseinheiten das ganze Pferd positiv entwickelt hat. All das wirkt sich einerseits auf das Immunsystem und den ganzen Organismus aus, sowie auch auf die Belastung einzelner Hufe bzw. meiner Einschätzung nach auch auf die Durchblutung und Versorgung der Gliedmaßen durch das Lösen von Blockaden. Immer wieder beobachte ich, wie Pferde bei der Energiearbeit anfangen, an den Vorderbeinen zu 'knabbern', was mich zur Vermutung eines Zusammenhangs bringt. Björk hatte lange Zeit ziemlich große Probleme mit Blockaden in der HWS und mit dem Brustbein. Für diese Einschätzung habe ich keine Belege, aber ich bin mir sicher, dass man sich bei der Bekämpfung von Strahlfäule nicht nur auf das Symptom an sich konzentrieren sollte, sondern an einer Optimierung der Gesamtsituation arbeiten sollte. Wenn das Pferd fit und die Hufe in Balance sind, dann verliert auch ein Ausnahmewinter seinen Schrecken...


Update 01.12.2018

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Ein halbes Jahr später ist die Situation immer noch gleich, kein Rückfall trotz deutlicher Reduktion der Bearbeitungsintervalle und stark wechselnder Verhältnisse des Untergrunds. Da sich der Huf im hinteren Bereich nur sehr langsam weitet, merkt man, dass der Strahl von unten einfach noch nicht so nachwachsen kann wie er sollte. Der Strahl hat immer noch einen "Spalt" in der Mitte, dieser ist aber intaktes Hornmaterial und es bilden sich keine Taschen mehr. Um sicher zu gehen, desinfiziere ich sowohl den Strahlbereich als auch die Strahlfurchen immer mal wieder, vor allem bei feuchten Bedingungen, wenn der Huf manchmal so richtig zugepappt ist.

 

Ergänzende Beobachtungen bei meiner Jungstute Lilja

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Auch ein Huf meiner Jungstute war in den letzten Monaten, nämlich der rechts hinten. Die Situation zieht sich ähnlich lang dahin, war allerdings nie so schlimm wie bei meiner alten Stute. Ausprobiert habe ich bei ihr in etwa das Gleiche wie bei ihrer Mutter. Seit sich die Situation bei Björk entspannt hat, habe ich den Fokus bei Lilja etwas weg von den Hufen hin zu ihren sonstigen körperlichen Baustellen (siehe auch hier) gerichtet.
Die Tatsache, dass sich nach längerer Statgnation der Spalt mit heute innerhalb kürzester Zeit geschlossen hat, obwohl ich in den letzten Wochen außer ab und an die Taschen wegzuschneiden und zu desinfizieren, keine besondere Pflege beitrieben habe, bestätigt für mich den bereits bei Björk festgestellten Zusammenhang mit dem Gesamtzustand des Pferdes.
Die Hufsituation hat sich generell in den letzten Wochen sehr ins Positive entwickelt, obwohl ich an der Bearbeitung nichts verändert habe und auch die Intervalle eher länger als zuvor waren - nach dem Theater im ersten Halbjahr und den Jahren davor war ich ehrlich etwas müde, so intensiv dran zu bleiben. Ich hatte beim Training und bei den Behandlungen bei Lilja immer auch das entsprechende Hinterbein im Fokus und konnte z.B. auch feststellen, dass sie in der Phase bevor sich das Problem mit der Strahlfäule jetzt gelöst hat, sie vermehrt abgeschubberte Stellen in diesem Bereich hatte. Auch dieses Schubbern hat sich mittlerweile wieder gelegt. Generell kann ich eine entsprechende Verbesserung der Gesamtsituation hinsichtlich Verspannungen und Bewegungsmuster in direkten Zusammenhang mit der Verbesserung der Hufsituation bringen.

 

Fazit - ohne Pferd kein Huf

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... und ohne Huf kein Pferd

Die Lösung des Problems Strahlfäule lag für meine Pferde in einem Zusammenspiel aus konstanter (ohne Wechsel der Bearbeitungsmethode - in meinem Fall durch mich selbst) Hufbearbeitung in sehr kurzen Intervallen, regemlmäßge Desinfektion und Pflege bei durchggehender Haltung in Offenstall/Weide, Versorgung mit allen notwendigen Nähr- und Vitalstoffen und eine Kombination aus energetischen Anwendungen, Körperarbeit und Fokus auf Verbesserung des Bewegungsmusters.

Selbstverständlich halte ich korrekte und regelmäßige Hufbearbeitung und - wenn notwendig - guten und passenden Hufschutz, sowie entsprechende Fütterung und Pflege bei Hufproblemen für wichtig und notwendig. Für mich ist allerdings auch das entsprechende Training und das Lösen von Blockaden und Verspannungen jedenfalls ein wichtiger Aspekt in der Behandlung von Hufproblemen. Viele Probleme mit den Hufen haben sich so bei meinen beiden Pferden so quasi automatisch deutlich verbessert, ohne an der Hufbearbeitung etwas zu ändern und auch ohne die Anwendung irgendwelcher "Spezailmittel" oder Fütterung irgendwelcher spezieller Ergänzungsmittel.

 

Fotodokumentation

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Vorderhuf links von Oktober 2015 bis Juni 2018 (nicht immer direkt nach der Bearbeitung und alles andere als optimal fotografiert)

 

           

Vorderhuf links Oktober 2015, Februar 2017 und Juni 2018. Man sieht hier, wie stark zerfurcht der Strahl phasenweise war.
Der Strahl wächst immer noch nach, aber die mittlere Strahlfurche ist nun komplett geschlossen.

                 

Seitliche Hufansicht von Februar 2017 und Juni 2018. Links sieht man die Unregelmäßigkeiten in der Hufwand sehr stark.
Meinen Recherchen zufolge sind diese auch als Zeichen sehr starker Strahlfäule zu sehen.

 

DI Sigrid Fürst, 04.06.2018
Update: 01.12.2018 (entsprechender Textteil als Update gekennzeichnet)

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