Fakten und Mythen

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Auch wenn ich im Bereich Energiearbeit nicht alles, was ich tue, wissenschaftlich erklären kann, stehe ich der Wissenschaft nicht gänzlich kritisch gegenüber (siehe dazu auch mein Blogbeitrag "Energetik und Wissenschaft - (k)ein Widerspruch?"). Ich finde bedenklich, wie viele Halb- oder gar Unwahrheiten im Internet und vor allem auf Facebook verbreitet werden.
Daher ist mir ein besonderes Anliegen, bei allen, die sich mit Themen rund um Ernährung und (Pferde)Fütterung oder alternativen Heilmethoden beschäftigen, eine Sensibilität für unseriöse Quellen zu schaffen und Hilfestellung zur Erkennung von "alternativen Fakten" zu bieten.

Diese Seite wird laufend ergänzt. Gerne könnt ihr mir (Werbe)Aussagen auch per email an info@sigrid-fuerst.at zukommen lassen, wenn ihr Euch nicht sicher seid, ob es dabei um Fakten oder doch eher alternative Fakten handelt.

Pferdefütterung

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"Nur organisches Mineralfutter ist für das Pferd verwertbar, weil es natürlich ist. Anorangische Mineralstoffe sind synthetisch und können vom Pferd nicht verstoffwechselt werden."

Kurz gefasst : Bis auf ganz wenige Ausnahmen kann man sagen, organische Verbindungen enthalten Kohlenstoff, anorganische nicht. Diese Unterscheidung sagt aber nichts darüber aus, ob eine Substand natürlich oder künstlich (also synthetisch ist) und grundsätzlich auch nichts über die Bioverfügbarkeit (ein längerer Artikel zum Thema Bioverfügbarkeit ist gearde in Arbeit, es handelt sich dabei um ein sehr kopmlexes Thema...).
Auch wenn verschiedene organische Mineralstoffverbindungen im Vergleich zu den anorganischen oftmals besser bioverfügbar sind, heißt das nicht, dass der Körper mit letzteren gar nichts anfangen kann.
Einfach zu Nachdenken, weil man manchmal den Eindruck bekommt, dass alles was organisch ist auch automatisch gesund und ganz toll ist: NaCl (also Kochsalz) ist anorganisch und je nach Endprodukt abgesehen von gewissen Verarbeitungsschritten natürlich, während das Organophosphat Glyphosat (C3H8NO5P) synthetisch hergestellt und dabei auch noch alles andere als besonders gesund ist...

 

"Der Grünansatz der Möhrenköpfe enthält einen nicht zu unterschätzenden Anteil an Blausäure."

Für diese Behauptung konnte ich trotz intensiver Recherche keine glaubhafte Quelle finden. Sie wurde von einer Ernährungsspezialistin aufgestellt, die auch auf Nachfrage keine fundierten Argumente dafür liefern konnte.

 

"Als Probiotika werden mikrobielle Futterzusätze bezeichnet, die das Gleichgewicht der Darmflora erhalten. Meistens handelt es sich um Laktobazillen, Bifidobakterien, Enterokokken und Hefen der Gattung Saccharomyces (z.B. Yea Sacc) ."

Bisher ist nur Saccharomyces cerevisiae (Lebendhefe) als Futtermittel zugelassen, viele Werbeaussagen beziehen sich aber auf Erkenntnisse von Probiotika aus dem Humanbereich. Zu diesem Thema gibt es einen eigenen Artikel in meinem Blog: Probiotika und Prebiotika für Pferde

 

Wenn Facebook Profis Pferdefütterung erklären ;-)

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Dieser Abschnitt ist mit einem Augenzwinkern versehen, denn die Aussagen sind keine tatsächlichen Mythen, sondern der Versuch von "Facebook Fütterungsexperten" andere Pferdebesitzer mit ihrem Wissen weiterzuhelfen. Diese Zitate stammen aus diversen Fütterungsgruppen auf Facebook.
Manchmal wäre es vielleicht sinnvoll, einfach mal lieber nichts zu schreiben, wenn man nur so eine vage Ahnung vom Thema hat. Oder alternativ gäbe es da auch noch die Möglichkeit, sich sinnvoll weiterzubilden.

"Einige Aminosäuren spalten auch die Inhaltsstoffe des Heus auf, wodurch auch nochmal mehr Energie gewonnen wird. Lysin, Methionin sind da in jedem Fall mit dabei, wie es mit Tryptophan und Phenylalanin aussieht weiß ich nicht genau. Wahrscheinlich gibt es auch noch viele mehr, aber ich kenne jetzt nur diese 4.."

Wozu sich der Organismus normal die Mühe macht, Aminosäuren zu Proteinen (zu denen auch die Enzyme zählen, die diesen Job normal machen) zusammen zu bauen, wenn's solo anscheinend auch geht?

 

"Nur Hanföl hat ALLE essentiellen Fettsäuren, die man dem Körper von extern her zuführen muss und die er nicht selber aus den einzelnen Aminosäuren herstellen kann und das im richtigen Verhältnis zueinander."

Hilft das Hanföl dann auch dabei, aus Eiweiß Fett zu machen? Spannend...

 

"Der Rohaschegehalt ist der Verschmutzungsgradgehalt des Futters, der folglich so gering wie möglich sein so, Rohfasergehalt ist der Zelluloseanteil des Futters und das Rohprotein ist der reine Eiweißgehalt des Futters."

Mir ist neu, dass Mineralstoffe neuerdings zu Verunreinigungen im Futter zählen.


Ernährung / Fütterung allgemein

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"Wenn ein Lebensmittel abgelaufen ist, dann ist es nicht mehr genießbar."

Immer wieder diskutiere ich mit Menschen in meiner Umgebung, dass man Lebensmittel (und auch Futtermittel) nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht automatisch entsorgen muss. Leider passiert das nämlich immer wieder sogar mit noch ungeöffneten Packungen ohne auch nur eine Blick darauf zu werfen. Ich bin ja der Meinung, die englische Bezeichnung "best before" (am besten vor) trifft es deutlich besser als die deutsche "mindestens haltbar bis". Hier die Fakten, was es mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) wirklich auf sich hat.

Die Lebensmittelkennzeichnungsverordnung bezeichnet als „Mindesthaltbarkeitsdatum eines Lebensmittels“ das Datum, bis zu dem dieses Lebensmittel bei richtiger Aufbewahrung seine spezifischen Eigenschaften behält. Lebensmittel können aber lange über das MHD hinaus genießbar sein, auch wenn sie vielleicht etwas an Qualität eingebüßt haben. Aber nicht einmal das ist vielfach der Fall, also einfach eine Sinnenprüfung durchführen und dann entscheiden. Dies empfiehlt sich übrigens auch vor Ablauf des MHD, ein Verderb durch z.B. Unterbrechung der Kühlkette ist nie ganz auszuschließen.

Es gibt Produkte, bei denen das Gesetzt kein MHD vorsieht, weil es sich um Produkte handelt, die a) sehr schnell verderben (z.B. frisches Obst und Gemüse, das nicht bearbeitet wurde) b) die sich auch nach langer Zeit nicht verändern (z.B.: Speisesalz, Zucker) c) die sich über längeren Zeitpunkt eher noch verbessern (z.B.: Wein, Schaumwein, ...)

Bei verderblichen Waren wie z.B. Frischfleisch bezeichnet das angegebene Datum "zu verbrauchen bis" wirklich den Zeitrahmen, nach dem dieses Produkt nicht mehr zu verwenden ist.

 

 

Ätherische Öle

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Grundsätzliche Informationen

"Auf ätherische Öle kann man nicht allergisch sein. Hautreaktionen sind ein Zeichen dafür, dass der Körper entgiftet."

Fälschlicherweise wird sich hier auf die Definition aus dem Bereich der Lebensmittelallergien von Allergenen herangezogen. Da ätherische Öle kein Eiweiß enthalten, wird eine Allergie ausgeschlossen. Es handelt sich bei einer Reaktion auf ätherische Öle auf eine sogenannte Kontaktallergie. Eine sehr bekannte Variante ist die Nickelallergie - auch Nickel ist bekanntermaßen kein Eiweiß.
Eine Kontaktallergie kann auch durch übermäßigen Gebrauch - z.B. durch die Anwendung unverdünnter Öle erst nach einem längeren Zeitraum entstehen.

 

"Da das reine ätherische Zitronenöl direkt aus frischen Zitronenschalen gepresst wird, enthält es nicht nur:
Terpineol, Aldehyde, Pinen, Camphen, Phellandren, Citral, Linalylacetat, Limonen und Citronnol, sondern auch Vitamine und Mineralstoffe."

Immer wieder wird Zitronenöl als praktische (und viel konzentriertere) Alternative zu Zitronensaft angepriesen. Zitronenöl hat sicherlich seine Qualitäten und ich wende es selbst gerne an, aber es enthält keine wasserlöslichen Bestandteile wie Mineralstoffe und Vitamin C. Während Zitronensaft aus dem Fruchtfleisch gewonnen wird, dient für Zitronenöl die Schale als Rohstoff.

 

"Anwendungsempfehlung: Mischen sie 1-2 Tropfen Zitronenöl mit einem Krug Wasser um es zu aromatisieren."

Ätherische Öle wie eben auch Zitronenöl sind nicht wasserlöslich und deshalb auch mit Wasser nicht gemischt werden kann. Ätherische Öle schwimmen demnach bei einem Krug Wasser oben auf, wenn man zu viel oder das falsche erwischt, kann das zu Reizungen der Schleimhaut führen.

 

 

Alternative (Heil)methoden

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"Anstatt der chemischen Keule kann man zur Entwurmung von Pferden auch alternative Mittel wie Hagebutten, Schweifhaare, Karotten oder Wurmkräuter verwenden."

Ergänzung zur angeblichen Wirkungsweise: bei den Hagebutten wirken die Härchen, die ebenso wie Schweifhaare Würmer bzw. Eier aufspiessen. Karotten wirken wurmtreibend und Wurmkräuter werde entweder alternativ zur herkömmlichen Entwurmung oder zur Schaffung eines wurmfeindlichen Darmmilieus beworben.

Zur Erkenntnis, dass die Härchen von Hagebutten oder Schweifhaare nicht in der Lage sein können, Würmern oder Eiern irgendetwas anzuhaben, sollte man bei genauerer Betrachtung auch selbst kommen können. Dies ist jedenfalls in die Kategorie Mythen einzuordnen.

Dass Karotten zur Entwurmung eingesetzt werden können, könnte unter Umständen daher kommen, dass die sogenannte Morosche Karottensuppe im Humanbereich und auch bei Hunden bei Durchfallerkrankungen zum Einsatz kommt. Wenn Karotten eine Wirkung auf den Parasitenstatus haben, dann eher einen fördernden - bei übermäßiger Fütterung wirken sich Karotten negativ auf das Darmmilieu aus.

Es gibt nach wie vor keine gesicherten Nachweise über die antihelmintische Wirkung sogenannter Wurmkräuter. Allerdings ist mittlerweile erwiesen, dass sich einige auf die Eiausscheidung (aber nicht auf den tatsächlichen Wurmbefall) haben, sie sollten daher vor Kotuntersuchungen rechtzeitig abgesetzt werden!
Kräuter, die tatsächlich in der Lage sind, Parasiten abzutöten, haben teilweise starke Nebenwirkungen und sind nicht als harmlose Kräuterkur zu werten.

Der Verzicht auf unnötige Wurmmittel um Resistenzen vorzubeugen ist durchaus sinnvoll, aber anstatt irgendwelche fragwürdigen Kräuterkuren oder Hausmittelchen anzuwenden, sollte man sich seriös zum Thema "Zeitgemäße selektive Entwurmung" informieren und je nach Ergebnis der Kotproben wirklich nach Bedarf entwurmen.

Letztes Update: DI Sigrid Fürst, 01.08.2018

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