Probiotika und Prebiotika für Pferde

Im Humanbereich schon lange bekannt, finden auch in der Tierernährung probiotische Futtermittel immer mehr Einzug in die Regale und Onlineshops. Bei den verschiedenen Anbietern wird vorrangig mit dem positiven Einfluss auf die Darmflora und die Nahrungsaufnahme, Harmonisierung der Darmflora, Stabilisierung des pHs und der Vermeidung von Darmproblemen. 

Sind diese Versprechen haltbar bzw. worauf beruhen diese Behauptungen? 
Um dies beurteilen zu können, muss man sich zuerst mit der Definition von Pro- und Prebiotika und auch der rechtlichen Situation befassen, wobei man wie folgt einteilt: 
Die Probiotika sind definierte lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge in aktiver Form in den Darm gelangen und hierbei positive gesundheitliche Wirkungen erzielen. 
Präbiotika (oder auch Prebiotika) sind spezifische unverdauliche Stoffe, die selektiv Bifidobakterien und möglicherweise auch andere Mikroorganismen in ihrem Wachstum im Darm fördern und dadurch positive gesundheitliche Wirkungen erzielen. 
Synbiotika sind Kombinationen von Pro- und Prebiotika, die deren Vorteile synergistisch in sich vereinigen. 

Leider wird bei der Bewerbung protiotischer Produkte oft vergessen zu erwähnen, dass für Pferde nur ein Probiotikum zugelassen ist – die Lebendhefe (Saccharomyces cerevisiae, Bäcker oder Bierhefe, Bezeichnung oftmals „YeaSacc“). 
Einerseits beziehen sich die Werbeaussagen oft auf nur für den Humanbereich verwendete Mikroorganismen wie Laktobazillen, Bifidobakterien und Enterokokken. Von diesen werden z.B. die oftmals erwähnten Stoffwechselprodukte wie Propionsäure, Buttersäure sowie Stoffe mit antimikrobieller Wirkung produziert (nicht aber von Hefe). 
Andererseits werden gerne auch Ergebnisse von Studien bei anderen Tierarten wie Wiederkäuern oder Schweinen oder für die Bewerbung der Produkte für Pferde herangezogen. Diese Ergebnisse lassen sich allerdings genauso wenig wie solche aus dem Humanbereich auf Pferde umlegen, denn die Organe und auch die native Darmflora sind nicht vergleichbar.

Sehr gestaunt habe ich auch, in Zusammenhang mit speziellen Produkten von Brotsäurebakterien zu lesen, wobei es sich letztendlich nur um Milsäurebakterien (konkret Lactobazillen) handelt, die eben bei der Vergärung von Brot eingesetzt werden und dabei dann wundersamerweise statt Milchsäure Brotsäure produzieren. 

Es lohnt sich auf jeden Fall, bei solchen – meist auch nicht gerade günstigen Produkten – die Zutatenlisten mit den Werbebotschaften abzugleichen, denn auch wenn die Aussagen ganz grundsätzlich richtig sind, beziehen sie sich oftmals auf Probiotika, die sich in den beworbenen Produkten gar nicht befinden.

Literatur: 

  • Costa, M.C., and J.S. Weese. The equine intestinal microbiome. Animal Health Research Reviews. 13(1):121-128. 
  • Coverdale, J.A. 2016. Can the microbiome of the horse be altered to improve digestion? Journal of Animal Science. 94(6):2275-2281. 
  • Jouany, J. P., Medina, B., Bertin, G., & Julliand, V. (2009). Effect of live yeast culture supplementation on hindgut microbial communities and their polysaccharidase and glycoside hydrolase activities in horses fed a high-fiber or high-starch diet. Journal of Animal Science, 87(9), 2844–2852. doi:10.2527/jas.2008-1602 
  • Jouany, J., Gobert, J., Medina, B., Bertin, G., Julliand, V., Jouany, J., … Julliand, V. (2008). Effect of live yeast culture supplementation on apparent digestibility and rate of passage in horses fed a high-fiber or high-starch diet The online version of this article , along with updated information and services , is located on the World Wide Web a, 339–347. doi:10.2527/jas.2006-796
  • Barnhart, K., Reddish, J. M., & Cole, K. (2015). Influence of probiotic supplementation on microbial diversity in the gastrointestinal tract of Miniature Horses. Journal of Equine Veterinary Science, 35(5), 413. doi:10.1016/j.jevs.2015.03.079
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