Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Beitrag aktualisiert: 29.05.2019 – aktuelle Bilder mit visueller Verdeutlichung ergänzt.


Mir wird immer klarer, dass die Probleme bei Björk wohl doch nicht alle menschgemacht und die von Lilja nicht durch die Geburt und den Hängerunfall entstanden sind, sondern dass sich solche Dinge einfach auch mal ungünstig vererben. 
Ich war ja immer davon ausgegangen, dass die Blockaden in den Halswirbeln durch massive Einwirkung von Halfter und Strick entstanden sind, daher hatte ich bei Lilja auf die Symetrie am Kopf bis vor kurzem überhaupt nicht geachtet. Bis sie mir vor ein paar Wochen so richtig deutlich – mittlerweile auch auf den Fohlenfotos aufgefallen ist. Eigentlich wollte ich für mich die eventuelle Veränderung der sowohl bei Björk auch bei Lilja bereits immer vorhandenen tiefen Kuhlen über den Augen dokumentieren. Auch andere Problemzonen sind deckungsgleich, hatte sie zusätzlich zur Veranlagung auch noch ein nicht unbedingt optimales Vorbild in Bezug auf Bewegungsmuster. 

Schon als Fohlen mit deutlichem Schiefstand
Björk auf einem der wenigen Fotos, wo man den Schiefstand halbwegs erkennt.

Auch wenn ich mir das Abenteuer selbstgezogenes Jungpferd ursprünglich deutlich anders vorgestellt hatte, ist Lilja eine absolute Bereicherung in meinem Leben und auf ihre Art eine genauso gute Lehrmeisterin wie ihre Mutter. Es mag für manche komisch klingen, aber ich bin froh, dass Lilja sehr deutlich zeigt, was geht und was nicht geht. Sie hat im Gegensatz zu ihrer Mutter ein sehr großes Vertrauen zu Menschen und wenn’s zwickt, dann „sagt“ sie das auch sehr klar, soll heißen, sie schnappt dann durchaus mal hin oder widersetzt sich. Durch diese unmittelbaren Reaktionen sieht man sehr deutlich, wie welche Muskelketten zusammenhängen und welche Auswirkungen Blockaden im ganzen Pferd haben können. Über einiger dieser Erkenntnisse werde ich in nächster Zeit hier noch genauer berichten. 

Als Abschluss dieses ersten Teils zum Thema Jungpferdearbeit möchte ich noch aktuelle Vergleichsbilder von der Asymmetrie zeigen. Durch Cranio, Körperarbeit und Training ist der Augenstand sowohl bei Björk als auch bei Lijla (innerhalb weniger Wochen) deutlich symmetrischer geworden. Bei Lilja füllen sich außerdem die Gruben über den Augen und das Nasenbein ist nicht mehr ganz so prägnant.

Update April 2019:
Die Gruben sind zwischenzeitlich wieder etwas tiefer geworden, die Schiefe ist allerdings mittlerweile wirklich so gut wie verschwunden. Siehe aktuelles Bild rechts. Man sieht, dass das linke Auge im Vergleich deutlich nach oben gewandert ist.

Der Versuch, die Schiefe durch Linien zu verdeutlichen
August 2018 – September 2018 – April 2019

Björk hat über all die Jahre ihre Skepsis Menschen gegenüber bewahrt und zeigt auch Schmerzen kaum an. Nur, wenn sie etwas allzu sehr aus der Ruhe bringt, dann schaltet sie auch heute noch in den Fluchtmodus. Da ich immer mehr Parallelen zwischen Mutter und Tochter erkenne, hilft mir die Arbeit mit Lilja, auch bei Björk noch deutliche Verbesserungen zu erzielen. Mal sehen, wohin uns das auf ihre alten Tage noch bringt. 

Ich möchte mit meinem Beitrag auch noch mal darauf hinweisen, wie wichtig ein sorgsamer Umgang mit dem Vertrauen unserer Pferde ist. Denn auch wenn es phasenweise mühsam ist und viel Geduld braucht, auf die körperlichen Einschränkungen Rücksicht zu nehmen, verlorenes Vertrauen wiederherzustellen, ist noch viel mühseliger. Wenn Jungpferde die Mitarbeit verweigern, sollte man jedenfalls ganz genau hinschauen, denn sogenannte Unarten oder Widersetzlichkeiten haben immer einen Grund. Außerdem sollte man mit Mutmaßungen über die Vergangenheit von Pferden etwas vorsichtig sein, nicht alle Probleme sind durch den Menschen verursacht. Sie werden nur oft einfach nicht erkannt und machen Pferde dann letztendlich zu Problempferden.

Meine Gedanken zur Zucht mit der eigenen Stute habe ich schon vor einem Jahr niedergeschrieben, je länger ich mit Lilja arbeite, desto wichtiger erscheint mir die sorgsame Auswahl von Zuchtstuten, denn sie geben nicht nur ihre Gebäudemängel an den Nachwuchs weiter, sondern dienen zumindest auch in den ersten Monaten als bewegtes Vorbild.


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